Ist das noch Fotografie?!

Bildbearbeitung - Fotograf oder Photoshop-artist?

Die einen mögen es lieber natürlich, schlicht und einfach, die anderen kitschig, bunt und besonders. Die eine Fotografenfront ist harter Verfechter der "richtigen" Fotografie - Bildbearbeitung gehört da nicht dazu und wenn ja, dann werden nur ein paar wenige Regler in Lightromm gedreht. Die andere Fotografenfront steht stolz hinter Photoshop und schwingt mit der Composing Fahne nur so herum.

Ich glaube diese Debatte, gleicht dem leidigen Thema "Veganer vs. Fleischesser" ;)
Natürlich will ich nun nicht alle über einen Kamm scheren, Grauzonen gibt es immer wieder zwischen Schwarz und Weiß. Und gerade Leute, die viel mit der Bildbearbeitung zu tun haben, wissen, dass man mit einer grauen Ebene viel anfangen kann (Na, wer weiß was ich meine? ;) )

Für welche Seite kämpfe ich ?
Um das mal kurz aufzuklären: Ich fühle mich ganz wohl in der Grauzone.
Das Ziel eines jeden Fotografen sollte es sein, ein Bild möglichst perfekt zu fotografieren. Die Nachbearbeitung sollte dem Bild nur den letzten Schliff geben, die persönliche Note. Nun ist es gerade für Tierfotografen (oder auch einfach Outdoor Fotografen) nicht immer möglich jede Situation zu kontrollieren. Meist müssen wir das beste daraus machen, was uns gegeben ist.
Das Wetter ist schlecht, der Termin nicht zu verschieben, das Tier nervös oder hat einfach mal einen schlechten Tag, etc. Ich kann diese Liste nun fast endlos weiter führen, denn es gibt so viel, was bei einem Shooting anders laufen kann, als gedacht. Die Kunst besteht natürlich darin, aus den gegeben Situationen das Beste heraus zu holen. Oft entstehen Bilder, die man sich besser hätte nicht ausdenken können. Aber nicht immer entsteht das perfekte Bild.
Da ist ein hässliger Zaun im Hintergrund. Das Pferd steigt, hat aber gerade in seiner schönsten Pose ein Auge zugekniffen. Der kleine Hund der nach Minuten endlich still sitzt, hat tränende Augen. Das perfekte Bewegungsbild ist entstanden, wenn nicht gerade in dem Moment die Sonne durch die dicke Wolkenwand geschien hätte und nun das Bild überbelichtet ist.
Nur, weil das Bild nicht perfekt schon in der Kamera entstanden ist, soll man sich mit weniger zufrieden geben? Ich ganz sicher nicht. Für mich ist Qualität wichtig und ich will, dass ein Bild eine Erinnerung für die Ewigkeit ist. Das Bild soll die Menschen zum lächeln bringen und sie sollen an die tollen Momente zurück denken.
Desweiteren habe ich einen Stil, der mich als Fotograf besonders macht, der mich von all den anderen Fotografen abhebt. Wegen diesem Stil will ich gebucht werden. Und diesen Stil bekommt jedes meiner Bilder durch die Bearbeitung.


Perfektion und Stil.
Das ist für mich der Grund, warum ich Bilder bearbeite.
Die Fotografie hört nicht auf, wenn der Auslöser gedrückt wurde. Für mich ist das Bild dann noch lange nicht fertig. Und wer gibt seinen Kunden schon unfertige Arbeiten?! Und das ist auch der Grund, warum kein unbearbeitetes Bild mein Haus verlässt.

Stil oder Trend?
Geschmäcker sind ja Gott sei Dank verschieden. Und das sollte man sich auch immer wieder ins Gedächtnis rufen, wenn man sich Bilder ansieht oder kritisiert. Gerade in den beliebten Fotografen Gruppen auf Facebook wird hart kritisiert.
Leute, wir haben doch alle ein Mal in der Schule gelernt, wie man konstruktiv kritisiert, oder? Ich will darauf jetzt nicht näher eingehen... (das braucht, glaube ich, einen eigenen Blogeintrag :D )
Für die Bildbearbeitung ist es wichtig seinen eigenen Stil zu finden. Der darf sich natürlich auch ändern und noch mal ändern und ihr dürft ausprobieren und euren Stil noch mal ändern. (Wobei ich find, dass man nicht an Kundenbildern rumprobieren sollte. Immerhin haben die euch ja wegen einem gewissen Stil gebucht.) Aber von diesen Trends in der Bildbearbeitung bin ich ziemlich genervt und halte nicht viel davon. In einem Moment sind es harte Konturen und am besten ein krasser HDR look, dann finden es alle toll, wenn man kleine, unechte Schmetterlinge auf die Nasen der Hunde "shopt" und im nächsten sehen alle Bilder aus als wären sie in den Vaseline Topf gefallen und dort mutwillig ertränkt worden...
Gerade im Moment ist dieser "Weiche-Look" total In. Ich bin die letzte, die etwas an einem schönen Bokeh auszusetzten hat und ich liebe es, wenn sich Motive schön vom Hintergrund abheben. Wie schon erwähnt, will ich auch jedem seinen Stil gönnen... Aber meins ist es ganz sicher nicht ;)
So ist es aber nun mal in der Fotografie. So ist es in jeder Kunstszene: Mode, Kunst, Fotografie, Architektur etc.
Ich warte also nun schon auf den nächsten Bildbearbeitungstrend und überlege mir dabei, was mir in meinem Stil fehlt. Weiterentwickeln, dazu lernen, neu Entdecken. Denn nichts ist wohl tödlicher in der Selbstverwirklichung als Stillstand...


Auf meinem Youtube Chanel gibt es regelmäßig neue Videos zum Thema Bildbearbeitung - rein schaun lohnt sich! ;-)
Hier geht`s zu den Videos

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